Die Stadtbibliothek Goslar baut ihre Veranstaltungsreihe „Books & Tea“ weiter aus und richtet sich damit gezielt an junge Erwachsene, die sich für Fantasy- und New-Adult-Literatur interessieren. Anfang Juni steht im Kulturmarktplatz KUMA erneut ein gemeinsamer Literaturabend auf dem Programm. Die Reihe zeigt zugleich, wie öffentliche Bibliotheken versuchen, sich als soziale Treffpunkte und kulturelle Aufenthaltsorte neu zu positionieren.
Goslar, 13. Mai 2026 – In der Stadtbibliothek Goslar wird Anfang Juni wieder gelesen, diskutiert und über Lieblingsfiguren, Plotwendungen und literarische Trends gesprochen. Die Veranstaltungsreihe „Books & Tea“ geht in die nächste Runde und richtet sich erneut an junge Erwachsene, die sich für aktuelle Fantasy- und New-Adult-Romane begeistern.
Das nächste Treffen findet am 3. Juni um 17.30 Uhr im AV-Raum des Kulturmarktplatzes KUMA statt. Im Mittelpunkt steht diesmal der Roman „Wicca Creed – Zeichen und Omen“ der deutschen Bestsellerautorin Marah Woolf. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung wird empfohlen, möglich bleibt laut Stadtbibliothek aber auch ein spontaner Besuch.
Mit dem Format verfolgt die Bibliothek ein Konzept, das weit über klassische Buchvorstellungen hinausgeht. „Books & Tea“ versteht sich nicht als traditioneller Literaturkreis mit festem Ablauf oder akademischem Anspruch. Stattdessen steht der offene Austausch über Bücher, Figuren und Genres im Vordergrund – begleitet von Tee, Gesprächen und einer bewusst lockeren Atmosphäre.
Wie die Stadtbibliothek Goslar neue Lesergruppen erreichen will
Öffentliche Bibliotheken stehen seit Jahren vor der Herausforderung, neue Zielgruppen anzusprechen. Während Kinderangebote vielerorts gut angenommen werden und klassische Leserschaften oft älter sind, galt die Altersgruppe zwischen Mitte 20 und Mitte 30 lange als schwer erreichbar. Genau dort setzt „Books & Tea“ an.
Die Stadtbibliothek Goslar richtet sich mit dem Buchclub gezielt an junge Erwachsene, die regelmäßig lesen, sich über soziale Netzwerke mit Literatur beschäftigen oder aktuelle Trends aus dem Bereich Fantasy und Romance verfolgen. Besonders Bücher aus dem sogenannten New-Adult-Segment prägen die Auswahl der Veranstaltungsreihe.
Dieses Genre hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der dynamischsten Bereiche des Buchmarktes entwickelt. Geschichten über junge Erwachsene, häufig verbunden mit Fantasywelten, emotionalen Konflikten oder Coming-of-Age-Themen, erreichen inzwischen Millionenpublikum. Plattformen wie BookTok oder Bookstagram haben diesen Trend zusätzlich verstärkt und bestimmten Romanen enorme Aufmerksamkeit verschafft.
Bibliotheken reagieren darauf zunehmend mit neuen Veranstaltungsformaten. Statt ausschließlich Orte der Ausleihe zu sein, entwickeln sie sich vielerorts zu kulturellen Treffpunkten, an denen Austausch und Gemeinschaft stärker in den Mittelpunkt rücken.
Literaturgespräche statt klassischer Lesekreis
Der Erfolg von „Books & Tea“ liegt auch im bewusst niedrigschwelligen Konzept. Niemand muss Literatur studiert haben, um teilzunehmen. Es gibt keine Pflichtbeiträge, keine festen Interpretationen und keinen formalen Ablauf, der abschrecken könnte.
Im Mittelpunkt steht vielmehr die gemeinsame Diskussion über Bücher: Welche Figuren überzeugen? Welche Wendungen funktionieren? Welche Themen berühren die Leserinnen und Leser besonders? Gerade bei Fantasy- und Romance-Literatur entstehen dabei häufig intensive Gespräche über Charakterentwicklung, Beziehungen oder moralische Konflikte innerhalb der Geschichten.
Die Veranstaltungsreihe setzt damit auf eine Entwicklung, die sich bundesweit beobachten lässt. Lesen wird zunehmend als gemeinschaftliches Erlebnis verstanden. Buchclubs erleben nicht nur im digitalen Raum eine Renaissance, sondern auch vor Ort in Städten und Bibliotheken.
Für die Stadtbibliothek Goslar bietet das Format zudem die Möglichkeit, Menschen dauerhaft an die Einrichtung zu binden. Wer einmal teilnimmt, kommt häufig erneut – nicht nur wegen der Bücher, sondern auch wegen der Atmosphäre und des Austauschs.
Marah Woolf gehört zu den erfolgreichsten Fantasyautorinnen Deutschlands
Mit „Wicca Creed – Zeichen und Omen“ hat sich die Stadtbibliothek diesmal für einen Titel entschieden, der innerhalb der deutschsprachigen Fantasy-Szene hohe Bekanntheit besitzt. Autorin Marah Woolf zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen im Bereich Fantasy und Romance.
Ihre Bücher erreichen regelmäßig Bestsellerlisten und haben sich insbesondere bei jungen Leserinnen und Lesern etabliert. Viele ihrer Reihen verbinden magische Welten mit emotionalen Konflikten, geheimnisvollen Figuren und klassischen Motiven aus Fantasy- und Romanceliteratur.
Der Auftaktband der „Wicca Creed“-Reihe erzählt die Geschichte der jungen Valea Patel, deren Leben nach dem Tod ihrer Familie aus dem Gleichgewicht gerät. Auf der Suche nach Antworten wird sie mit magischen Kräften, dunklen Geheimnissen und ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.
Wer am Literaturabend aktiv teilnehmen möchte, sollte den Roman vorab gelesen haben. Die Stadtbibliothek weist darauf hin, dass Exemplare ausgeliehen werden können. Teilweise stehen Titel zudem digital über die Onleihe bereit.
Der Kulturmarktplatz KUMA als moderner Begegnungsort
Austragungsort des Buchclubs ist erneut der Kulturmarktplatz KUMA am Museumsufer. Das Gebäude hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Kulturstandort in Goslar entwickelt. Neben der Stadtbibliothek finden dort regelmäßig Veranstaltungen, Ausstellungen und kulturelle Angebote statt.
Gerade kleinere Formate profitieren von den Räumlichkeiten im KUMA. Der AV-Raum bietet eine ruhigere, persönlichere Atmosphäre als klassische Veranstaltungssäle. Für Formate wie „Books & Tea“ ist das ein entscheidender Faktor.
Denn die Reihe lebt weniger von großen Bühnenmomenten als von Nähe und Austausch. Die Gespräche entstehen direkt zwischen den Teilnehmenden, häufig spontan und ohne starre Moderation. Genau darin liegt offenbar ein wesentlicher Reiz des Formats.
Die Stadtbibliothek organisiert die Treffen inzwischen regelmäßig. Bereits frühere Ausgaben beschäftigten sich mit populären Fantasy- und Romance-Titeln. Nach Angaben der Veranstalter wird der Buchclub quartalsweise angeboten.
Warum Bibliotheken ihr Selbstverständnis verändern
Die Entwicklung in Goslar steht exemplarisch für einen Wandel, der vielerorts sichtbar wird. Bibliotheken definieren ihre Rolle zunehmend neu. Lange galten sie vor allem als Orte der Ausleihe und stillen Recherche. Heute sollen sie zusätzlich Aufenthaltsorte, Lernräume und kulturelle Treffpunkte sein.
Damit reagieren die Einrichtungen auch auf veränderte Mediengewohnheiten. Bücher konkurrieren längst mit Streamingdiensten, sozialen Netzwerken und digitalen Unterhaltungsformaten. Bibliotheken versuchen deshalb verstärkt, Erlebnisse zu schaffen, die über die reine Ausleihe hinausgehen.
Veranstaltungen wie „Books & Tea“ verbinden Literatur mit sozialer Begegnung. Gerade in Zeiten digitaler Kommunikation gewinnen analoge Treffpunkte für viele Menschen wieder an Bedeutung. Der persönliche Austausch über Bücher wird dabei selbst zum kulturellen Erlebnis.
Hinzu kommt: New-Adult- und Fantasy-Literatur haben eine Zielgruppe, die stark vernetzt ist und aktiv über Bücher diskutiert. Empfehlungen entstehen häufig innerhalb von Communities, Leserunden oder sozialen Plattformen. Bibliotheken greifen diese Dynamik inzwischen bewusst auf.
Zwischen Literaturtrend und kultureller Stadtentwicklung
Für Städte wie Goslar spielen kulturelle Angebote zunehmend auch bei der Attraktivität des urbanen Lebens eine Rolle. Veranstaltungen, die unterschiedliche Altersgruppen ansprechen, sollen Innenstädte und Kulturorte beleben.
Der Kulturmarktplatz KUMA nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Mit Bibliothek, Veranstaltungsräumen und kulturellen Angeboten bündelt der Standort mehrere Funktionen an einem Ort. Formate wie „Books & Tea“ ergänzen dieses Konzept um niedrigschwellige Freizeitangebote mit kulturellem Charakter.
Gerade junge Erwachsene suchen häufig nach Orten, die weder rein kommerziell noch ausschließlich institutionell geprägt sind. Bibliotheken versuchen zunehmend, genau diese Lücke zu schließen – mit offenen Veranstaltungsformaten, flexiblen Nutzungsmöglichkeiten und neuen Themenfeldern.
Die Resonanz auf den Goslarer Buchclub deutet darauf hin, dass dieser Ansatz funktioniert. Literatur wird dort nicht als stilles Einzelinteresse präsentiert, sondern als gemeinsames Erlebnis.
Wenn Bücher zum Anlass für Begegnungen werden
Die nächste Ausgabe von „Books & Tea“ dürfte deshalb erneut weit mehr sein als ein gewöhnlicher Literaturabend. Im Mittelpunkt steht zwar ein Fantasyroman, tatsächlich geht es aber ebenso um Austausch, Gemeinschaft und die Frage, welche Rolle Bibliotheken künftig spielen sollen.
Die Stadtbibliothek Goslar setzt dabei sichtbar auf Nähe statt Distanz, auf Gespräche statt klassische Vortragsformate und auf aktuelle Literaturtrends statt kanonischer Pflichtlektüre. Für viele Besucherinnen und Besucher scheint genau das den Reiz auszumachen.
Ob Fantasy, Romance oder New Adult: Bücher werden hier nicht nur gelesen, sondern gemeinsam erlebt. Und genau darin liegt vermutlich der Grund, warum das Format inzwischen fest zum Kulturprogramm der Stadtbibliothek gehört.


















