Mit den neuen „MachMit!Stipendien“ will die Stadt Goslar kreative Projekte aus der Bevölkerung fördern und das gesellschaftliche Leben in der Welterbestadt stärken. Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Initiativen können eigene Ideen einreichen, die Begegnungen schaffen, öffentliche Räume beleben oder neue Impulse für die Innenstadt setzen. Hinter dem Programm steht zugleich eine größere Frage: Wie kann Goslar seine historische Identität bewahren und sich dennoch als moderne, lebenswerte Stadt weiterentwickeln?
Goslar, 27. Mai 2026 – Die Stadt Goslar setzt bei der Weiterentwicklung ihrer Innenstadt zunehmend auf Beteiligung aus der Bevölkerung. Mit den neuen „MachMit!Stipendien“ startet die Verwaltung ein Förderprogramm, das kreative Ideen, gemeinschaftliche Projekte und lokale Initiativen unterstützen soll. Gesucht werden Konzepte, die das öffentliche Leben bereichern, Menschen zusammenbringen und neue Perspektiven für das Zusammenleben in der Stadt eröffnen.
Teilnehmen können volljährige Einwohnerinnen und Einwohner ebenso wie Vereine, Nachbarschaftsgruppen oder kleinere Initiativen mit bis zu fünf Personen. Voraussetzung ist, dass die eingereichten Projekte nicht auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtet sind. Im Mittelpunkt steht ausdrücklich der gemeinwohlorientierte Charakter der Vorhaben.
Die Stadt Goslar knüpft damit an einen Trend an, der bundesweit an Bedeutung gewinnt: Kommunen versuchen zunehmend, Stadtentwicklung nicht nur planerisch zu steuern, sondern stärker gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu gestalten.
Goslar sucht kreative Ideen für die Stadtgesellschaft
Die Ausschreibung der „MachMit!Stipendien“ ist bewusst offen formuliert. Gesucht werden Projekte, die neue Begegnungen schaffen, Nachbarschaften stärken oder öffentliche Räume beleben. Die Stadt verzichtet dabei auf enge thematische Vorgaben. Stattdessen sollen möglichst unterschiedliche Ideen aus der Bevölkerung sichtbar werden.
Denkbar sind unter anderem kulturelle Aktionen, kleinere Veranstaltungen, gemeinschaftliche Projekte im öffentlichen Raum oder kreative Angebote für bestimmte Altersgruppen. Auch Vorhaben zur Aufwertung einzelner Plätze oder zur stärkeren Vernetzung von Menschen innerhalb der Stadtteile passen in das Konzept.
Gerade dieser offene Ansatz dürfte ein wesentlicher Bestandteil des Programms sein. Die Stadt Goslar signalisiert damit, dass kreative Stadtentwicklung nicht ausschließlich aus Verwaltungskonzepten entstehen soll, sondern auch aus spontanen, lokalen Ideen.
Innenstadtentwicklung bleibt zentrale Herausforderung
Die neuen Stipendien stehen zugleich im Zusammenhang mit größeren städtebaulichen Entwicklungen in Goslar. Seit Jahren arbeitet die Stadt an Konzepten zur Weiterentwicklung der historischen Altstadt und ihrer öffentlichen Räume. Förderprogramme, Beteiligungsverfahren und Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung begleiten diesen Prozess bereits seit längerer Zeit.
Wie viele andere Mittelstädte steht auch Goslar vor tiefgreifenden Veränderungen. Der stationäre Einzelhandel verändert sich, Innenstädte verlieren klassische Funktionen und öffentliche Räume müssen zunehmend neue Aufgaben übernehmen. Aufenthaltsqualität, kulturelle Nutzung und soziale Begegnungen rücken dadurch stärker in den Mittelpunkt.
Die Stadt reagiert darauf mit einer Kombination aus Städtebauförderung, Beteiligungsformaten und kulturellen Impulsen. Die „MachMit!Stipendien“ wirken dabei wie ein Versuch, diese verschiedenen Ebenen miteinander zu verbinden.
Denn die Frage, wie Innenstädte künftig genutzt werden, beschäftigt Kommunen bundesweit. Historische Zentren sollen nicht nur touristisch attraktiv bleiben, sondern auch im Alltag lebendige Orte sein.
Historische Kulisse, moderne Anforderungen
Für Goslar besitzt diese Entwicklung eine besondere Bedeutung. Die Stadt gehört mit ihrer Altstadt und dem Erzbergwerk Rammelsberg seit Jahrzehnten zum UNESCO-Welterbe. Mehr als 1.500 Fachwerkhäuser prägen das Stadtbild und machen Goslar zu einem der bekanntesten historischen Zentren Norddeutschlands.
Gleichzeitig wächst der Druck, die Innenstadt an veränderte gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedingungen anzupassen. Leerstände, verändertes Konsumverhalten und neue Erwartungen an öffentliche Räume verändern auch in Goslar die Anforderungen an Stadtplanung und Stadtleben.
Die Verwaltung setzt deshalb zunehmend auf Projekte, die über klassische Infrastrukturmaßnahmen hinausgehen. Nicht allein Gebäude oder Plätze stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Menschen die Stadt erleben und nutzen.
Die „MachMit!Stipendien“ sollen genau an dieser Stelle ansetzen. Kleine Projekte können oft unmittelbarer wirken als große Bauvorhaben – vor allem dann, wenn sie direkt aus dem Alltag der Menschen entstehen.
Förderung ausdrücklich ohne wirtschaftliches Interesse
Ein zentraler Bestandteil der Ausschreibung ist die klare Abgrenzung gegenüber kommerziellen Projekten. Gefördert werden ausschließlich Vorhaben, die dem Gemeinwohl dienen und keinen privaten wirtschaftlichen Vorteil verfolgen.
Damit orientiert sich das Programm an den Grundsätzen vieler Fördermodelle innerhalb der Städtebauförderung. Ziel ist es nicht, einzelne Geschäftsmodelle zu unterstützen, sondern Projekte mit gesellschaftlichem Nutzen zu ermöglichen.
Die Stadt macht zugleich deutlich, dass es nicht auf große Budgets oder professionelle Strukturen ankommt. Entscheidend seien vielmehr die Idee, die Umsetzbarkeit und der Beitrag zum öffentlichen Leben.
Gerade kleinere Initiativen könnten dadurch eine Chance erhalten, die unter klassischen Förderbedingungen oft kaum berücksichtigt würden.
Kreativität wird Teil der Stadtentwicklung
Die Verbindung von Kultur, Beteiligung und Stadtentwicklung besitzt in Goslar bereits seit Jahren einen hohen Stellenwert. Mit renommierten Kulturformaten und verschiedenen Förderprogrammen hat sich die Stadt früh als Standort kultureller Projekte positioniert.
Bekannt ist insbesondere der Kaiserring, einer der international bedeutendsten Kunstpreise für zeitgenössische Kunst. Ergänzt wird das kulturelle Profil durch weitere Stipendienprogramme und Initiativen im Bereich Literatur, Kunst und kulturelle Bildung.
Die neuen „MachMit!Stipendien“ verfolgen jedoch einen anderen Ansatz. Anders als klassische Kulturförderungen richten sie sich nicht in erster Linie an professionelle Kulturschaffende, sondern an die Stadtgesellschaft selbst.
Damit verschiebt sich der Fokus: Kreativität soll nicht nur auf Bühnen, in Museen oder bei offiziellen Veranstaltungen stattfinden, sondern direkt im Alltag der Menschen sichtbar werden.
Zwischen Bürgerengagement und Stadtidentität
Die Initiative zeigt zugleich, wie stark sich das Verständnis moderner Stadtentwicklung verändert hat. Städte versuchen heute zunehmend, Beteiligung als dauerhaften Bestandteil kommunaler Prozesse zu etablieren. Bürgerinnen und Bürger sollen nicht erst reagieren, wenn Projekte bereits geplant sind, sondern eigene Ideen frühzeitig einbringen können.
Für Goslar ist das auch eine Frage der Identität. Die Stadt lebt von ihrer historischen Bedeutung, zugleich aber auch davon, wie lebendig sie im Alltag wahrgenommen wird. Gerade kleinere Projekte, Nachbarschaftsaktionen oder kreative Veranstaltungen können dabei eine Wirkung entfalten, die weit über ihren unmittelbaren Umfang hinausgeht.
Ob aus den geförderten Ideen langfristige Initiativen entstehen, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Die Stadtverwaltung setzt jedoch sichtbar darauf, dass aus einzelnen Projekten dauerhafte Impulse für das gesellschaftliche Leben entstehen können.
Fest steht bereits jetzt: Mit den „MachMit!Stipendien“ verbindet Goslar die Hoffnung, Bürgerengagement stärker in die Zukunft der Stadt einzubinden – nicht als symbolische Beteiligung, sondern als konkreten Bestandteil urbaner Entwicklung.
Eine Stadt sucht neue Formen von Öffentlichkeit
Die Debatte über lebendige Innenstädte wird vielerorts abstrakt geführt – über Leerstände, Besucherzahlen oder Verkehrskonzepte. Goslar versucht nun, einen anderen Schwerpunkt zu setzen. Die Stadt richtet den Blick stärker auf die Menschen selbst und auf die Frage, wie Gemeinschaft im öffentlichen Raum entstehen kann.
Die „MachMit!Stipendien“ sind deshalb mehr als ein kleines Förderprogramm. Sie stehen exemplarisch für den Versuch, historische Städte nicht allein zu bewahren, sondern sie aktiv weiterzuentwickeln. Zwischen Fachwerkfassaden, Welterbe und modernen Anforderungen entsteht damit ein Spannungsfeld, das viele Kommunen in Deutschland derzeit prägt.
Wie sichtbar die neuen Ideen das Stadtbild tatsächlich verändern werden, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Goslar setzt künftig stärker auf Beteiligung, Eigeninitiative und kreative Stadtgesellschaft – und macht genau daraus einen Teil seiner Zukunftsstrategie.


















