Fünf Bikeparks im Harz wollen ihre Angebote künftig enger verzahnen und die Region gemeinsam als Mountainbike-Destination vermarkten. Mit der neuen Kooperation „Harz Parks One“ reagieren Betreiber und Tourismusorganisationen auf die wachsende Bedeutung des Bike-Tourismus im Mittelgebirge. Im Mittelpunkt stehen ein gemeinsames Ticket, abgestimmte Vermarktung und die Frage, wie sich der Harz langfristig als Ganzjahresziel positionieren kann.

Goslar, 11. Mai 2026 – Der Harz hat sich in den vergangenen Jahren schrittweise zu einem der wichtigsten Mountainbike-Standorte in Norddeutschland entwickelt. Nun soll aus mehreren Einzelangeboten ein gemeinsamer Auftritt entstehen. Unter dem Namen „Harz Parks One“ arbeiten fünf Bikeparks künftig enger zusammen. Die Betreiber wollen ihre Anlagen gemeinsam vermarkten, Besucherströme besser verteilen und die Region als zusammenhängendes Revier für Mountainbike- und Gravity-Sport stärken.

Die geografische Ausgangslage ist dabei außergewöhnlich. Innerhalb eines Radius von rund 30 Kilometern liegen mit dem Bikepark Braunlage, dem Bikepark Hahnenklee, dem Racepark Schulenberg, dem MSB-X-Trail in Sankt Andreasberg und dem Bikepark Bodetal in Thale gleich fünf größere Anlagen. Kaum eine andere Region in Deutschland verfügt über eine vergleichbare Dichte an Bikeparks mit Liftbetrieb, Flowtrails, Downhill-Strecken und technischen Abfahrten.

Die neue Kooperation soll diesen Standortvorteil künftig sichtbarer machen. Statt einzelne Parks isoliert zu bewerben, setzen die Beteiligten auf einen gemeinsamen touristischen Ansatz. Der Harz soll als zusammenhängende Mountainbike-Region wahrgenommen werden – mit unterschiedlichen Streckenprofilen, kurzen Wegen und einem breiten Angebot für Anfänger ebenso wie für erfahrene Fahrer.

Ein Ticket für mehrere Bikeparks

Herzstück der Zusammenarbeit ist ein gemeinsames Kombiticket. Unter dem Label „Harz Parks One“ erhalten Besucher Zugang zu mehreren beteiligten Anlagen. Die Betreiber verbinden damit vor allem ein touristisches Ziel: Gäste sollen länger in der Region bleiben und während ihres Aufenthalts verschiedene Parks nutzen.

Bislang konzentrierten sich viele Tagesgäste auf einzelne Standorte. Künftig soll stärker ein Netzgedanke entstehen. Wer etwa mehrere Tage im Harz verbringt, kann unterschiedliche Streckenprofile ausprobieren – von Flowtrails über technische Downhill-Passagen bis hin zu Sprunglinien und Trainingsbereichen.

Für die Region ist das wirtschaftlich relevant. Der Mountainbike-Tourismus gilt inzwischen als wichtiger Faktor für Gastronomie, Hotellerie und Freizeitwirtschaft. Besonders in den schneearmen Monaten gewinnt der Bikesport an Bedeutung. Viele Orte im Harz setzen deshalb seit Jahren verstärkt auf Ganzjahresangebote.

Der Harz verändert sein touristisches Profil

Der Wandel ist vielerorts sichtbar. Regionen, die früher vor allem vom Wintersport lebten, investieren zunehmend in Sommerangebote. Sessellifte und Gondelbahnen werden nicht mehr ausschließlich für Skifahrer genutzt, sondern transportieren inzwischen auch Mountainbikes und Sportgeräte.

Vor allem der sogenannte Gravity-Sport hat sich stark entwickelt. Dazu gehören Disziplinen wie Downhill, Enduro oder Freeride. Viele Strecken sind speziell dafür angelegt: mit Steilkurven, Sprüngen, technischen Hindernissen und unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Im Harz entstanden entsprechende Angebote schrittweise über mehrere Jahre hinweg. Die einzelnen Bikeparks entwickelten dabei jeweils eigene Schwerpunkte – abhängig von Gelände, Infrastruktur und Zielgruppe.

Fünf Anlagen mit eigenem Charakter

Der Bikepark Braunlage am Wurmberg zählt zu den bekanntesten Standorten im Harz. Die Strecken verlaufen über die Hänge des höchsten Berges Niedersachsens. Besucher erreichen die Startpunkte über die Wurmbergseilbahn. Das Gelände bietet sowohl schnelle Flowtrails als auch technisch anspruchsvollere Passagen.

Der Bikepark Hahnenklee rund um den ErlebnisBocksBerg richtet sich ebenfalls an unterschiedliche Fahrniveaus. Dort existieren mehrere Abfahrten mit variierenden Schwierigkeitsgraden. Hinzu kommen Trainingsbereiche und familienfreundliche Angebote.

Der Racepark Schulenberg genießt in der Mountainbike-Szene seit Jahren einen besonderen Ruf. Die Anlage gilt als sportlich anspruchsvoll und wird regelmäßig auch von erfahrenen Fahrern genutzt. Charakteristisch sind technisch schwierige Abschnitte und vergleichsweise steile Passagen.

Der MSB-X-Trail in Sankt Andreasberg verbindet mehrere Trailvarianten mit Sesselliftbetrieb. Die Strecken reichen von flüssig angelegten Flowtrails bis zu technisch komplexeren Abschnitten. Durch die Höhenlage gehört der Standort seit Jahren zu den etablierten Bikeparks im Oberharz.

Der Bikepark Bodetal in Thale ergänzt das Angebot im Ostharz. Die Anlage nutzt die markante Topografie rund um das Bodetal und die Rosstrappe. Gerade die landschaftliche Kulisse zählt dort zu den Besonderheiten.

Kurze Wege als Standortvorteil

Für Mountainbiker ist vor allem die räumliche Nähe der Anlagen interessant. Zwischen mehreren Standorten liegen oft weniger als 30 Fahrminuten. Besucher können dadurch innerhalb weniger Tage sehr unterschiedliche Streckencharaktere erleben, ohne lange Anfahrtszeiten in Kauf nehmen zu müssen.

Genau darin sehen die Verantwortlichen einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Regionen. Während viele bekannte Bike-Destinationen einzelne Großanlagen besitzen, bietet der Harz mehrere voneinander unabhängige Parks in kurzer Distanz.

Hinzu kommt die vergleichsweise gute Erreichbarkeit aus norddeutschen Ballungsräumen. Städte wie Hannover, Braunschweig, Göttingen oder Magdeburg liegen nur wenige Stunden entfernt. Gerade Wochenendgäste spielen deshalb eine wichtige Rolle.

Mountainbike-Tourismus wächst seit Jahren

Der Bikesport hat bundesweit an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Regionen investieren in legale Trails, Bikeparks und touristische Infrastruktur. Parallel wächst die Zahl spezialisierter Hotels, Werkstätten, Verleihstationen und Fahrtechnik-Angebote.

Auch der Harz profitiert von dieser Entwicklung. Die Region verfügt neben den Bikeparks über ein weit verzweigtes Netz aus Waldwegen, Mountainbike-Routen und Naturstrecken. Für viele Urlauber entsteht dadurch eine Kombination aus klassischem Naturtourismus und sportorientierten Angeboten.

Der Ausbau erfolgt allerdings nicht überall konfliktfrei. In zahlreichen Mittelgebirgsregionen wird seit Jahren über die Nutzung von Waldwegen, Naturschutz und Besucherlenkung diskutiert. Offizielle Streckenangebote gelten deshalb vielerorts auch als Instrument, um den Sport in geordnete Bahnen zu lenken.

Im Harz setzen Betreiber und Tourismusorganisationen inzwischen verstärkt auf abgestimmte Konzepte. Die neue Kooperation ist Teil dieser Entwicklung. Ziel ist nicht allein die Werbung für einzelne Strecken, sondern die Positionierung des gesamten Mittelgebirges als modernes Outdoor-Reiseziel.

Gemeinsame Vermarktung statt Konkurrenzdenken

Bemerkenswert ist vor allem der strategische Ansatz hinter „Harz Parks One“. Die beteiligten Bikeparks bleiben eigenständige Anlagen mit individuellen Konzepten. Gleichzeitig rückt die gemeinsame Außendarstellung stärker in den Vordergrund.

Damit verändert sich auch die Wahrnehmung des Harzes. Lange galt die Region vor allem als Wander- und Wintersportgebiet. Inzwischen wächst jedoch die Bedeutung jüngerer Zielgruppen, die gezielt wegen Outdoor- und Actionangeboten anreisen.

Der Mountainbike-Sport spielt dabei eine zentrale Rolle. Gerade technisch anspruchsvolle Trails und moderne Liftanlagen sprechen Besucher an, die gezielt nach sportorientierten Kurzreisen suchen.

Die Betreiber hoffen deshalb auf zusätzliche Übernachtungen und eine stärkere Auslastung außerhalb klassischer Ferienzeiten. Besonders Frühling, Sommer und Herbst gelten inzwischen als wichtige Saisonphasen für den Bikesport.

Der Harz setzt auf Ganzjahrestourismus

Die Entwicklung der Bikeparks steht zugleich für einen größeren Wandel innerhalb der Tourismusstrategie im Harz. Viele Orte versuchen seit Jahren, sich breiter aufzustellen und unabhängiger vom Wintersport zu werden.

Steigende Temperaturen und unsichere Schneeverhältnisse haben die Rahmenbedingungen verändert. Liftanlagen, die früher fast ausschließlich für den Skibetrieb genutzt wurden, werden heute zunehmend ganzjährig eingesetzt.

Mountainbike-Angebote gelten dabei als vergleichsweise wirtschaftlich attraktive Ergänzung. Bestehende Infrastruktur lässt sich vielfach weiterverwenden, während gleichzeitig neue Zielgruppen erreicht werden.

Mit der neuen Kooperation wollen die Verantwortlichen diesen Prozess beschleunigen. Der Harz soll nicht mehr nur als einzelne Ansammlung touristischer Orte wahrgenommen werden, sondern als vernetztes Outdoor-Revier mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Ein neuer Wettbewerb unter den Mittelgebirgen

Der Konkurrenzdruck wächst allerdings. Auch andere Regionen investieren zunehmend in Bikeparks und Trailnetze. Im Sauerland, im Schwarzwald oder im Bayerischen Wald entstanden in den vergangenen Jahren ebenfalls große Mountainbike-Angebote.

Der Harz versucht deshalb, seine besondere Struktur stärker herauszustellen. Die enge räumliche Konzentration mehrerer Bikeparks gilt dabei als wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Hinzu kommen die landschaftliche Vielfalt und die unterschiedlichen Streckencharaktere.

Ob das Konzept langfristig zusätzliche Besucherzahlen bringt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch schon jetzt, dass der Mountainbike-Tourismus im Harz eine neue Größenordnung erreicht hat.

Der Bikesport wird zum festen Bestandteil des Harzes

Die Kooperation „Harz Parks One“ markiert mehr als nur ein gemeinsames Ticketmodell. Sie steht für den Versuch, eine gesamte Region touristisch neu auszurichten und vorhandene Angebote stärker miteinander zu verbinden.

Für den Harz bedeutet das auch einen Perspektivwechsel. Der Mountainbike-Sport entwickelt sich zunehmend vom ergänzenden Freizeitangebot zu einem eigenständigen touristischen Schwerpunkt. Die fünf Bikeparks sollen dabei künftig nicht mehr als einzelne Standorte auftreten, sondern als gemeinsames Netzwerk mit überregionaler Strahlkraft.

Wie erfolgreich dieses Modell wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob es gelingt, den Harz dauerhaft als moderne Bike-Destination in Deutschland zu etablieren. Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden: kurze Wege, unterschiedliche Streckenprofile und eine Infrastruktur, die in dieser Form bundesweit nur selten zu finden ist.