Im Landkreis Goslar sind innerhalb weniger Tage drei ältere Menschen Opfer von Trick- und Taschendieben geworden. In einem Supermarkt in Seesen bemerkte eine 73-Jährige den Diebstahl ihrer Geldbörse rechtzeitig, zwei Tatverdächtige wurden festgehalten. Bei zwei weiteren Taten in Goslar und Seesen gelangten Unbekannte unter einem Vorwand in Wohnräume – ob die Fälle zusammenhängen, ist offen.

Goslar, 16. Juli 2026. Nach mehreren Diebstählen warnt die Polizei vor Trickdieben im Landkreis Goslar. Drei ältere Menschen wurden nach Behördenangaben binnen weniger Tage bestohlen. Die Tatorte liegen in Goslar und Seesen, die Vorgehensweisen unterscheiden sich jedoch deutlich.

In einem Fall griffen mutmaßliche Taschendiebe in einem Supermarkt zu. Bei zwei weiteren Taten verschafften sich Unbekannte unter einem Vorwand Zugang zu privaten Wohnräumen. Dort lenkten sie die Bewohner ab und suchten nach Wertgegenständen.

Eine gemeinsame Tatserie ist bislang nicht belegt. Auch gibt es keine bestätigten Hinweise darauf, dass die beiden in Seesen festgehaltenen Männer mit den Wohnungstaten in Verbindung stehen. Die Polizei behandelt die Vorfälle nach dem derzeit bekannten Stand als einzelne Taten.

73-Jährige bemerkt den Diebstahl im Supermarkt

Der am genauesten dokumentierte Fall ereignete sich in einem Supermarkt in Seesen. Einer 73 Jahre alten Frau wurde dort die Geldbörse aus ihrer Handtasche gestohlen. Die Seniorin trug die Tasche über der Schulter.

Sie bemerkte den Zugriff unmittelbar und rief laut um Hilfe. Dadurch konnten zwei Männer als mutmaßliche Täter identifiziert und festgehalten werden. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um einen 52-Jährigen und einen 38-Jährigen aus dem Landkreis Hannover.

Zum weiteren Verlauf des Verfahrens machte die Polizei zunächst keine näheren Angaben. Offen blieb unter anderem, ob bei den Männern Diebesgut gefunden wurde, ob sie vorläufig festgenommen wurden oder welche strafrechtlichen Schritte eingeleitet worden sind.

Der Fall zeigt dennoch, wie schnell Taschendiebe vorgehen können. Eine Geldbörse liegt oft nur wenige Sekunden unbeobachtet in einer Tasche. Gerade in Geschäften, an Kassen oder in engen Gängen reicht eine kurze Ablenkung, damit Täter zugreifen.

Unbekannte gelangen in Wohnungen in Goslar und Seesen

Bei zwei weiteren Taten gingen die Täter anders vor. In Goslar und Seesen verschafften sich Trickdiebe unter einem Vorwand Zutritt zu einer Wohnung beziehungsweise einem Wohnhaus. Während eine Person die Bewohner beschäftigte, suchten die Täter nach Bargeld und Schmuck.

Bei den beiden Wohnungstaten wurden Wertgegenstände entwendet. In einem Fall handelte es sich um Schmuck, im anderen um Bargeld. Welcher Gegenstand an welchem Tatort gestohlen wurde, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor.

Auch die Höhe des Schadens ist nicht bekannt. Die Täter konnten in beiden Fällen entkommen. Beschreibungen der Verdächtigen, Hinweise auf mögliche Fahrzeuge oder Angaben zur Fluchtrichtung veröffentlichte die Polizei nicht.

Damit bleibt ebenfalls unklar, ob dieselben Personen hinter beiden Trickdiebstählen stehen. Die zeitliche Nähe und die ähnliche Vorgehensweise reichen nicht aus, um einen Zusammenhang anzunehmen. Belastbar ist nur, dass sich beide Taten innerhalb weniger Tage im Landkreis Goslar ereigneten und ältere Menschen betroffen waren.

Trickdiebe arbeiten häufig in Gruppen

Die Polizei weist darauf hin, dass Trick- und Taschendiebe häufig arbeitsteilig vorgehen. Einer lenkt ab, ein anderer greift zu. Weitere Beteiligte können die Umgebung beobachten, den eigentlichen Diebstahl verdecken oder das Diebesgut übernehmen.

Bei Taschendiebstählen wird eine gestohlene Geldbörse mitunter unmittelbar weitergegeben. Selbst wenn ein Verdächtiger wenige Augenblicke später kontrolliert wird, befindet sich das Diebesgut dann möglicherweise bereits bei einem Komplizen.

Ähnlich funktioniert das Vorgehen bei Trickdiebstählen in Wohnungen. Eine Person spricht mit dem Opfer, bittet um Hilfe oder behauptet, einen beruflichen Auftrag erfüllen zu müssen. Während die Aufmerksamkeit gebunden ist, gelangt ein weiterer Täter in andere Räume.

Besonders gefährlich ist, dass die Situation für Betroffene zunächst alltäglich wirken kann. Ein angeblicher Handwerker, ein vermeintlicher Mitarbeiter eines Versorgungsunternehmens oder eine Person mit einer dringenden Bitte erweckt nicht automatisch Misstrauen. Genau diesen Moment nutzen Trickdiebe aus.

Die bekannten Fälle im Überblick

Ort Vorgehensweise Ermittlungsstand
Seesen Diebstahl einer Geldbörse in einem Supermarkt Zwei Männer im Alter von 52 und 38 Jahren wurden festgehalten
Goslar Zutritt zu Wohnräumen unter einem Vorwand Wertgegenstände gestohlen, Täter entkommen
Seesen Zutritt zu einer Wohnung oder einem Wohnhaus unter einem Vorwand Wertgegenstände gestohlen, Täter entkommen

Die Übersicht macht zugleich deutlich, weshalb nicht von einer einheitlichen Tatserie gesprochen werden kann. Die Vorfälle richteten sich zwar gegen ältere Menschen und ereigneten sich in kurzer Folge. Die Tatmuster sind aber nicht identisch, ein gemeinsamer Täterkreis ist nicht bestätigt.

So rät die Polizei zum Schutz vor Trickdieben

Die Polizei empfiehlt, Bargeld, Bankkarten und persönliche Dokumente nicht gemeinsam an einer leicht erreichbaren Stelle aufzubewahren. Wertsachen sollten körpernah getragen und möglichst auf mehrere verschlossene Innentaschen verteilt werden.

Hand- und Umhängetaschen sollten geschlossen bleiben und vor dem Körper oder fest unter dem Arm getragen werden. Wer eine Tasche im Einkaufswagen abstellt, sollte sie nicht aus den Augen lassen. Offene Handtaschen oder außen liegende Fächer sind für Taschendiebe besonders leicht erreichbar.

  • Geldbörsen nicht sichtbar in offenen Taschen oder Einkaufskörben ablegen.
  • Bargeld, Bankkarten und Ausweispapiere getrennt aufbewahren.
  • Handtaschen im Geschäft geschlossen und körpernah tragen.
  • Fremde nicht ungeprüft in die Wohnung oder das Haus lassen.
  • Bei unangekündigten Handwerkern oder Dienstleistern zunächst selbst beim Unternehmen nachfragen.

Besondere Vorsicht gilt an der Haustür. Wer keinen Termin vereinbart hat, muss angebliche Handwerker oder Mitarbeiter eines Unternehmens nicht hineinlassen. Angaben lassen sich telefonisch überprüfen – allerdings über eine selbst recherchierte oder bereits bekannte Rufnummer, nicht über eine Nummer, die der Besucher nennt.

Wer sich unter Druck gesetzt fühlt, sollte die Tür geschlossen halten und Angehörige, Nachbarn oder die Polizei verständigen. Seriöse Beschäftigte akzeptieren es, wenn ihre Identität und ihr Auftrag überprüft werden.

Drei Taten, viele offene Fragen

Die Fälle aus Goslar und Seesen zeigen zwei unterschiedliche Formen des Diebstahls: den schnellen Zugriff in einem öffentlichen Raum und das gezielte Eindringen in private Wohnbereiche. Im Supermarkt führte die unmittelbare Reaktion der 73-Jährigen dazu, dass zwei Verdächtige festgehalten werden konnten. Bei den Wohnungstaten fehlt von den Tätern bislang jede öffentlich bekannte Spur.

Weder genaue Tatzeiten noch konkrete Adressen oder Schadenssummen wurden veröffentlicht. Auch ein Zusammenhang zwischen den drei Fällen ist nicht belegt. Fest steht lediglich: Innerhalb weniger Tage wurden drei ältere Menschen im Landkreis Goslar bestohlen. Die Polizei warnt deshalb vor Trickdieben und mahnt zu besonderer Aufmerksamkeit – im Geschäft ebenso wie an der eigenen Haustür.