Mit einem neuen Insektengarten erweitert der Bürgerpark Wernigerode sein Angebot um einen Bereich, der Naturschutz, Umweltbildung und Artenvielfalt miteinander verbindet. Die Anlage wurde gezielt für Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer und weitere Insekten gestaltet und soll zugleich Besuchern zeigen, welche Bedeutung naturnahe Lebensräume für funktionierende Ökosysteme haben. Damit erhält der Bürgerpark nicht nur eine neue Attraktion, sondern setzt auch einen sichtbaren Akzent für den Schutz heimischer Tierarten.
Wernigerode. Wer den Bürgerpark besucht, trifft künftig auf einen Bereich, der auf den ersten Blick unscheinbar wirken mag. Keine spektakulären Installationen, keine technischen Attraktionen, keine aufwendigen Inszenierungen. Stattdessen bestimmen heimische Pflanzen, Totholz, offene Bodenflächen und naturnahe Strukturen das Bild. Genau darin liegt die Besonderheit des neuen Insektengartens.
Mit der neuen Anlage schafft der Bürgerpark Wernigerode einen Lebensraum, der sich konsequent an den Bedürfnissen heimischer Insekten orientiert. Gleichzeitig wird Besuchern vermittelt, welche Rolle Artenvielfalt für die Natur spielt und warum viele Insekten heute auf gezielte Schutzmaßnahmen angewiesen sind.
Der Bürgerpark, der aus der Landesgartenschau 2006 hervorgegangen ist, zählt seit Jahren zu den wichtigsten Freizeit- und Erholungszielen der Stadt. Mit seinen weitläufigen Grünflächen, Themengärten und Erlebnisbereichen entwickelt sich das Gelände kontinuierlich weiter. Der neue Insektengarten ergänzt dieses Konzept um einen Bereich, der ökologische Aspekte stärker in den Mittelpunkt rückt.
Der Insektengarten als Rückzugsraum für heimische Arten
Insekten gehören zu den wichtigsten Bestandteilen funktionierender Ökosysteme. Sie bestäuben Pflanzen, dienen zahlreichen Tierarten als Nahrungsquelle und übernehmen vielfältige Aufgaben im natürlichen Kreislauf. Gleichzeitig gelten viele Arten als gefährdet oder stehen unter zunehmendem Druck durch den Verlust geeigneter Lebensräume.
Der neue Insektengarten im Bürgerpark Wernigerode soll genau hier ansetzen. Die Anlage wurde so gestaltet, dass unterschiedliche Insektenarten Nahrung, Schutz und Fortpflanzungsmöglichkeiten finden können. Statt einer rein dekorativen Gestaltung setzt der Bereich auf natürliche Strukturen, die in vielen Landschaften inzwischen selten geworden sind.
Dazu gehören unter anderem heimische Blühpflanzen, die über längere Zeiträume hinweg Nektar und Pollen bereitstellen. Ergänzt werden diese durch offene Bodenstellen, unterschiedliche Vegetationsbereiche sowie natürliche Rückzugsorte für zahlreiche Insektenarten.
Warum Totholz eine zentrale Rolle spielt
Ein wesentliches Merkmal des neuen Insektengartens ist die Verwendung von Totholz. Was für manche Besucher zunächst wie liegen gelassenes Holz wirken könnte, erfüllt in naturnahen Lebensräumen eine wichtige Funktion.
Viele Käferarten verbringen einen Teil ihres Lebenszyklus im Holz. Auch Wildbienen und andere Insekten nutzen abgestorbene Baumteile als Nist- und Rückzugsorte. Darüber hinaus entstehen Lebensräume für Pilze, Moose und zahlreiche Kleinstorganismen. Totholz gilt deshalb als einer der wertvollsten Bestandteile naturnaher Flächen.
Der Insektengarten macht diese oft unterschätzte ökologische Bedeutung sichtbar und zeigt, dass Naturschutz nicht zwangsläufig mit aufwendigen technischen Lösungen verbunden sein muss. Häufig genügt es, natürliche Prozesse zuzulassen und geeignete Strukturen bereitzustellen.
Mehr als ein Insektenhotel
In vielen Gärten gehören Insektenhotels inzwischen zum gewohnten Bild. Der neue Insektengarten im Bürgerpark verfolgt jedoch einen deutlich umfassenderen Ansatz. Statt einzelner Nisthilfen steht die Entwicklung eines zusammenhängenden Lebensraums im Mittelpunkt.
Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel verschiedener Elemente. Blühpflanzen liefern Nahrung, offene Flächen ermöglichen die Eiablage bestimmter Arten, während Holz- und Steinstrukturen Schutzräume schaffen. Erst die Kombination dieser Faktoren macht einen Standort dauerhaft attraktiv für unterschiedliche Insektenarten.
Genau dieses Prinzip prägt die Gestaltung des neuen Bereichs. Besucher erhalten dadurch einen Eindruck davon, wie komplex die Anforderungen vieler Insekten tatsächlich sind und warum einzelne Maßnahmen allein oft nicht ausreichen.
Artenvielfalt wird unmittelbar erlebbar
Der neue Insektengarten soll nicht nur Lebensraum schaffen, sondern auch Verständnis fördern. Viele ökologische Zusammenhänge bleiben im Alltag unsichtbar. Im Bürgerpark werden sie nun direkt beobachtbar.
Besucher können nachvollziehen, welche Pflanzen besonders stark von Insekten angeflogen werden, welche Bedeutung unterschiedliche Lebensräume besitzen und wie eng Pflanzen- und Tierwelt miteinander verbunden sind. Gerade Kinder und Familien erhalten dadurch einen unmittelbaren Zugang zu einem Thema, das häufig abstrakt diskutiert wird.
Die Beobachtung vor Ort macht deutlich, dass Artenvielfalt nicht nur in Schutzgebieten oder Nationalparks entsteht. Auch öffentliche Grünanlagen und städtische Freiflächen können wichtige Beiträge leisten.
Der Bürgerpark stärkt sein Profil als Lern- und Erlebnisort
Der Bürgerpark Wernigerode versteht sich seit vielen Jahren nicht ausschließlich als klassische Parkanlage. Neben Erholung und Freizeitangeboten spielen Umweltbildung und Naturerfahrung eine wichtige Rolle.
Mit verschiedenen Bildungsangeboten, Themenbereichen und naturnahen Flächen richtet sich der Park regelmäßig an Schulklassen, Familien und Besuchergruppen. Der neue Insektengarten fügt sich nahtlos in dieses Konzept ein.
Die Anlage schafft einen Ort, an dem ökologische Themen nicht allein über Informationstafeln vermittelt werden, sondern direkt erfahrbar werden. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen Natur zunehmend vor allem digital wahrnehmen, gewinnt dieser unmittelbare Zugang an Bedeutung.
Ein Baustein innerhalb eines vielfältigen Parkkonzepts
Der Bürgerpark verfügt bereits über eine Vielzahl unterschiedlicher Themenbereiche. Mehr als 60 Themengärten prägen das Gelände. Hinzu kommen Wasserflächen, Spielbereiche, Aussichtspunkte, Tiergehege sowie der Miniaturenpark „Kleiner Harz“, der zu den bekanntesten Attraktionen des Areals zählt.
Mit dem Insektengarten erhält das Gelände nun einen Bereich, dessen Schwerpunkt weniger auf gestalterischer Wirkung als auf ökologischer Funktion liegt. Das erweitert das bestehende Angebot um eine zusätzliche Perspektive und stärkt zugleich die naturnahe Ausrichtung des Parks.
Während viele Gartenbereiche vor allem ästhetische Akzente setzen, zeigt der neue Insektengarten, wie Naturschutz und Freizeitgestaltung miteinander verbunden werden können.
Ein sichtbares Zeichen für mehr Artenvielfalt
Der neue Insektengarten im Bürgerpark Wernigerode steht exemplarisch für einen Wandel, der in vielen öffentlichen Grünanlagen zu beobachten ist. Parks werden zunehmend nicht nur als Orte der Erholung verstanden, sondern auch als Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Gerade in Städten und dicht besiedelten Regionen können solche Flächen wichtige Rückzugsorte schaffen. Der Insektengarten macht diesen Anspruch sichtbar. Seine Gestaltung zeigt, dass bereits vergleichsweise einfache Maßnahmen einen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leisten können.
Für den Bürgerpark bedeutet die neue Anlage deshalb mehr als nur eine weitere Attraktion. Sie erweitert das Profil des Parks um einen Bereich, der Naturerlebnis, Umweltbildung und Artenschutz miteinander verbindet. Besucher erhalten die Möglichkeit, ökologische Zusammenhänge unmittelbar zu erleben – und zu erkennen, dass selbst kleine Lebensräume eine große Bedeutung für die heimische Tierwelt haben können.
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