Kategorie: Oberharz

Der Harz wird im Juni erneut zum Schauplatz eines internationalen Tanzfestivals. Beim TanzArt ostwest Festival treffen Compagnien, Choreografen und Solokünstler aus mehreren Ländern auf historische Bühnen, urbane Räume und ein Publikum, das zeitgenössischen Tanz zunehmend auch außerhalb klassischer Kulturmetropolen erlebt. Das Festival setzt dabei nicht nur auf Aufführungen, sondern auf kulturellen Austausch, ungewöhnliche Spielorte und die langfristige Verankerung internationaler Tanzkunst in der Region.

HALBERSTADT/QUEDLINBURG/WERNIGERODE, 20. Mai 2026 – Wenn sich Anfang Juni Tänzerinnen und Tänzer aus verschiedenen Ländern Europas sowie aus Asien im Harz begegnen, geht es längst nicht mehr nur um einzelne Aufführungen. Das TanzArt ostwest Festival hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Kulturprojekt entwickelt, das weit über den Charakter einer klassischen Veranstaltungsreihe hinausgeht. Zwischen Quedlinburg, Halberstadt und Wernigerode entsteht für mehrere Tage ein Netzwerk aus Bühnenkunst, Begegnung und internationalem Austausch.

Vom 5. bis 14. Juni stehen Produktionen zeitgenössischer Tanzcompagnien ebenso auf dem Programm wie Workshops, Publikumsgespräche und Performances außerhalb traditioneller Theaterhäuser. Damit verfolgt das Festival weiterhin einen Ansatz, der in der deutschen Kulturlandschaft vergleichsweise selten geworden ist: internationale Tanzkunst bewusst in einer ländlich geprägten Region sichtbar zu machen.

Der Harz wird dadurch erneut zu einem Ort, an dem sich kulturelle Perspektiven aus unterschiedlichen Ländern kreuzen – nicht in großen Metropolen, sondern zwischen Fachwerkstädten, historischen Bühnen und industriell geprägten Räumen.

Internationale Tanzkunst zwischen Theaterbühne und urbanem Raum

Das Programm des TanzArt ostwest Festivals setzt auch 2026 auf eine Mischung aus klassischen Bühnenproduktionen und experimentellen Formaten. Neben Aufführungen im Harztheater sind erneut Inszenierungen an ungewöhnlichen Orten vorgesehen. Besonders diese Verbindung unterschiedlicher Räume gehört inzwischen zu den prägenden Merkmalen des Festivals.

So soll eine Performance in der Busgarage der Harzer Verkehrsbetriebe in Wernigerode stattfinden – ein Ort, der zunächst kaum mit Tanzkunst verbunden wird. Gerade solche Spielstätten eröffnen jedoch neue Perspektiven auf zeitgenössischen Tanz. Bewegung, Architektur und öffentlicher Raum verschmelzen dort zu einem gemeinsamen Erlebnis.

Die Veranstalter verfolgen damit eine klare kulturpolitische Idee: Tanz soll nicht ausschließlich in geschlossenen Theaterstrukturen stattfinden, sondern dort sichtbar werden, wo Alltag, Öffentlichkeit und Kultur aufeinandertreffen. Das verändert nicht nur die Wirkung der Aufführungen, sondern auch die Wahrnehmung des Publikums.

Viele Produktionen des Festivals arbeiten bewusst mit Nähe. Statt großer Distanz zwischen Bühne und Zuschauerraum entstehen Formate, in denen Bewegung unmittelbar erfahrbar wird. Gerade im zeitgenössischen Tanz gehört diese Direktheit längst zu den stärksten Ausdrucksformen.

Ein Festival mit internationalem Netzwerk

Das TanzArt ostwest Festival versteht sich seit seiner Gründung als internationales Kooperationsprojekt. Auch in diesem Jahr kommen Ensembles, Choreografen und Solokünstler aus mehreren europäischen Ländern in den Harz. Hinzu treten Partnerschaften mit Kulturschaffenden aus Asien, die das Netzwerk über Jahre hinweg erweitert haben.

Der Name des Festivals verweist dabei auf einen Gedanken, der bis heute erhalten geblieben ist: den kulturellen Austausch zwischen unterschiedlichen Regionen, Arbeitsweisen und künstlerischen Perspektiven. Gerade im zeitgenössischen Tanz entstehen viele Produktionen heute grenzüberschreitend – in Kooperationen, Residenzen und gemeinsamen Projekten.

Im Harz trifft diese internationale Arbeitsweise auf eine vergleichsweise kleine Kulturregion. Genau darin liegt seit Jahren ein besonderer Reiz des Festivals. Während viele große Tanzveranstaltungen auf Berlin, Hamburg oder München konzentriert sind, entsteht hier ein Gegenmodell: internationale Bühnenkunst außerhalb der üblichen Zentren.

Für die Region bedeutet das nicht nur kulturelle Aufmerksamkeit, sondern auch eine dauerhafte Aufwertung des Harzes als Veranstaltungsort für zeitgenössische Kunst.

Die Rückkehr an den Ursprung des Festivals

Das TanzArt-Netzwerk blickt inzwischen auf eine mehr als zwei Jahrzehnte lange Geschichte zurück. Entstanden war das Projekt ursprünglich in Quedlinburg. Später entwickelte sich das Festival an verschiedenen Standorten weiter, ehe es vor einigen Jahren wieder stärker in den Harz zurückkehrte.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Choreograf Tarek Assam. Er gilt als prägende Figur des Festivals und hat das Netzwerk über viele Jahre hinweg aufgebaut. Seit 2022 leitet Assam als Ballettdirektor und Chefchoreograf die Sparte Tanz Harz.

Mit der Rückkehr des Festivals in die Region verbindet sich zugleich ein struktureller Wandel. Der Harz verfügt inzwischen über eine eigene zeitgenössische Tanzcompagnie, die regelmäßig neue Produktionen entwickelt und internationale Kooperationen eingeht. Dadurch hat sich die Region kulturell deutlich stärker positioniert als noch vor einigen Jahren.

Gerade diese kontinuierliche Arbeit bildet inzwischen das Fundament des Festivals. TanzArt erscheint dadurch nicht wie ein kurzfristiges Gastspiel, sondern wie ein Teil einer langfristig gewachsenen Kulturlandschaft.

Tanzgalas als Publikumsmagneten

Zu den wichtigsten Programmpunkten gehören erneut die internationalen Tanzgalas. Mehrere Vorstellungen sind in der Neuen Bühne Quedlinburg geplant. Dort treffen unterschiedliche choreografische Handschriften aufeinander – von körperlich reduzierten Inszenierungen bis hin zu dynamischen, raumgreifenden Arbeiten.

Die Galas gelten seit Jahren als zentrale Publikumsmagnete des Festivals. Sie bündeln verschiedene ästhetische Ansätze in einem Abendprogramm und geben damit zugleich einen Überblick über aktuelle Entwicklungen des zeitgenössischen Tanzes.

Das Spektrum reicht von klassisch geprägten Bewegungssprachen bis zu experimentellen Formen, in denen Tanz mit Licht, Klang oder digitaler Projektion verbunden wird. Gerade diese Vielfalt macht den Reiz des Festivals aus. Statt einer stilistischen Festlegung entsteht ein offenes Panorama aktueller Tanzkunst.

Auch die Zusammenarbeit mit regionalen Kulturinstitutionen wird fortgesetzt. Mehrere Veranstaltungen entstehen erneut in Kooperation mit Einrichtungen und Partnern aus dem Harz.

Workshops und Begegnungen als Teil des Konzepts

Das Festival richtet sich nicht ausschließlich an ein klassisches Theaterpublikum. Workshops, Trainingsformate und Begegnungsangebote gehören seit Jahren zum festen Bestandteil des Programms.

Dabei geht es nicht allein um Vermittlung, sondern um Teilhabe. Besucherinnen und Besucher erhalten Einblicke in choreografische Prozesse, Arbeitsweisen internationaler Ensembles und die Entwicklung zeitgenössischer Produktionen. Die Distanz zwischen Bühne und Publikum wird dadurch bewusst reduziert.

Gerade in Regionen außerhalb großer Kulturzentren besitzen solche Formate besondere Bedeutung. Sie schaffen Zugang zu einer Kunstform, die oft als erklärungsbedürftig oder schwer zugänglich wahrgenommen wird.

Geplant sind außerdem Gesprächsformate mit Choreografen sowie offene Trainingsangebote. Hinzu kommen Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, die Tanz mit gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen verbinden.

Der Ansatz dahinter ist klar erkennbar: Zeitgenössischer Tanz soll nicht als abgeschlossener Kunstbetrieb erscheinen, sondern als offener kultureller Prozess.

Der Harz als Kulturregion mit internationaler Ausstrahlung

Für Städte wie Quedlinburg, Halberstadt und Wernigerode besitzt das Festival inzwischen auch touristische und kulturpolitische Bedeutung. Veranstaltungen mit internationaler Beteiligung stärken die Wahrnehmung des Harzes als Kulturregion – weit über klassische Natur- und Freizeitangebote hinaus.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Kommunen der Region verstärkt auf Kulturveranstaltungen gesetzt, die überregional Aufmerksamkeit erzeugen. Das TanzArt ostwest Festival fügt sich in diese Entwicklung ein.

Hinzu kommt die besondere Atmosphäre der Austragungsorte. Historische Altstädte, Theaterbauten und industrielle Räume bilden einen Kontrast zu den oft modernen und experimentellen Tanzproduktionen. Gerade aus diesem Spannungsverhältnis entsteht eine eigene Dynamik.

Das Festival profitiert dabei auch von seiner räumlichen Struktur. Anders als kompakte Großstadtfestivals verteilt sich TanzArt über mehrere Städte hinweg. Dadurch entsteht eine Art kulturelle Achse durch den Harz, die Besucher zwischen verschiedenen Orten und Veranstaltungsformen bewegt.

Zwischen regionaler Verwurzelung und internationalem Anspruch

Das TanzArt ostwest Festival bewegt sich damit weiterhin zwischen zwei Ebenen: einer starken regionalen Verankerung und einem klar internationalen Anspruch. Genau diese Verbindung dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass sich das Projekt über viele Jahre behaupten konnte.

Während zahlreiche Kulturveranstaltungen unter steigenden Kosten und wachsendem Konkurrenzdruck stehen, setzt das Festival weiterhin auf Kooperationen, Netzwerke und gemeinsame Produktionen. Statt kurzfristiger Aufmerksamkeit entsteht dadurch ein kontinuierlicher Austausch zwischen Künstlern, Institutionen und Publikum.

Gerade im Bereich des zeitgenössischen Tanzes ist diese Form der Zusammenarbeit längst entscheidend geworden. Internationale Projekte entstehen heute selten isoliert. Viel häufiger entwickeln sie sich aus langfristigen Partnerschaften, gemeinsamen Arbeitsphasen und grenzüberschreitenden Produktionsprozessen.

Der Harz wird dadurch nicht nur zum Austragungsort einzelner Aufführungen, sondern zu einem Teil dieses kulturellen Netzwerks.

Mehr als eine Veranstaltungsreihe

Mit seinen internationalen Gastcompagnien, den ungewöhnlichen Spielorten und den offenen Begegnungsformaten verfolgt das TanzArt ostwest Festival inzwischen einen deutlich größeren Anspruch als den einer klassischen Tanzveranstaltung. Das Festival versucht, zeitgenössische Tanzkunst dauerhaft in der Region sichtbar zu machen – nicht punktuell, sondern strukturell.

Für den Harz bedeutet das eine kulturelle Entwicklung, die weit über einzelne Aufführungsabende hinausreicht. Internationale Produktionen treffen hier auf regionale Kulturarbeit, historische Orte auf moderne Bewegungssprache, lokale Strukturen auf globale Perspektiven.

Die kommenden Festivaltage werden erneut zeigen, wie stark dieses Konzept inzwischen trägt. Schon jetzt deutet vieles darauf hin, dass das Interesse an internationalem Tanz im Harz weiter wächst – und dass sich das Festival längst als fester Bestandteil der Kulturlandschaft etabliert hat.